Frugalismus: Optimum statt Minimum – Treffen mit Mr. Cheese

Anfangs Juni an einem Freitag Nachmittag habe ich von der Arbeit frei genommen um wieder in Zürich in der Stadt unterwegs zu sein. Restaurants durften wieder auch drinnen öffnen und langsam kehrte Normalität zurück. Das Wetter war auch super und so habe einen super Nachmittag verbracht. Nachdem ich mir neue Kleidung gegönnt habe ging ich zum Treffen mit Mr Cheese von Fondueblog.ch. Wir haben uns schon seit Oktober geschrieben, aber wegen Corona konnten wir uns persönlich noch nicht treffen.

Es gibt wenige Blogs, die ich lese. Über mein Treffen mit Mr. RIP von Retire in Progress habe ich schon mal geschrieben. Neben Retire in Progress gehört für mich fondueblog.ch zu den Blogs, die ich lese. Mr Cheese ist ebenfalls Schweizer, hat bei einem Techgiganten einen überdurchschnittlichen Salär bezogen und ist nun Teil eines Startups. Für mich ist es immer interessant, wie er sein Leben lebt und vor Allem wie er sein Geld ausgibt. Denn was mich auch bei ihm fasziniert ist, dass nur weil er 12’000,- Netto im Monat verdient, heisst das nicht, dass er 12’000,- im Monat ausgeben muss.

Wir haben uns in einem Pub getroffen und haben gut gegessen. Der erste Eindruck von ihm war super sympathisch. Kariertes Hemd, genau so wie ein IT-ler sich kleidet und locker und gut drauf. Wir haben uns sehr gut verstanden und die Zeit ging leider viel zu schnell vorbei. Ich musste am Schluss noch rennen, dass ich meinen Zug erwische.

Was mir bei ihm auch gefällt, dass er auch nicht der Superfrugalist ist und sich nicht von Konserven und Nudeln ernährt und nicht in der Pampa lebt um das Maximum zu sparen. Er fährt Tesla und gönnt sich immer wieder Luxusuhren (auch als Investition). Das ist mir viel sympathischer, als jemand, der sich zu Tode spart. In diesem Punkt waren wir uns auch einig und wir haben gemerkt, dass wir zum Teil aus der gleichen Motivation heraus unser Blog gestartet haben.

Wir beide haben früher über unseren hohen Ausgaben gestaunt und uns beigebracht mit Geld effizienter umzugehen.

Optimum statt Minimum

Wir beide waren uns 100%ig einig, dass das nicht heisst, dass man auf dem Minimum leben soll. Der Fokus muss auf die Bewusstsein liegen. Man muss sich bewusst sein wie viel man für was ausgibt. Es gibt Punkte wo man sparen kann, ohne sein Lebensstandard einzuschränken. So zum Beispiel bei der Krankenkasse, oder Handy-Verträgen. Man kann sich überlegen, was ein Auto kosten kann/soll. Versicherungen optimieren, Hypothekarzinsen und allgemein Preise von teuren Produkten vergleichen usw.

Es gibt aber auch Punkte, bei denen ich zuerst dachte, dass sie sich nicht negativ auf mein Lebensstandard einwirken. Das taten sie aber. So ist es beim Sparen bei den Lebensmittelnausgaben. Ich habe mich als Schweizer oft genervt, warum Spinat 5,- Franken und 1 Avocado 2.50- kosten müssen. Schweizer Poulet kostet 23,- Franken pro Kilo und 10-Freiland Eier kosten 6,- Franken. Ein Frugalist würde solche Produkte meiden. Vielleicht Importeier kaufen oder Poulet aus Polen oder Brasilien, die 3 mal so gross sind, wie die aus der Schweiz, dafür nur halb so viel kosten. Auf teure Extras wie Avocados oder Spinat als Beilage würden sie verzichten. Genau das ist der Punkt. Ich habe früher auch auf diese Produkte verzichtet, obwohl meine Familie und ich sie gern hatten. Erst nach 1-2 Jahren wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr an Lebensmitteln sparen möchte. Erstens möchte ich meinen Kindern alles bieten können und auf keinen Fall ihnen etwas vorenthalten oder auf diese Art und Weise sie einschränken. Zweitens geht es auch um die Gesundheit, denn die Lebensmittel haben sehr grossen Einfluss auf unsere Gesundheit. Wenn man nicht darauf angewiesen ist, sich jeden Tag von Nudeln und Konserven zu ernähren, sollte man auch nicht an gesundem Essen, frische Früchte und Gemüse zu sparen. Es kann sein, dass man lebenslang Nudeln mit Tomatensauce isst und nie krank wird. Es kann aber auch sein, dass auf Dauer wegen unausgewogener Ernährung Krankheiten entstehen. Vielleicht nicht in 1-2 Jahren, aber vielleicht in 10-20 Jahren. Soll man dieses Risiko eingehen, nur damit man Ende des Monats 2% mehr sparen kann?

Ernährung und der Einfluss auf die Gesundheit ist das eine. Die Lebensfreude, die man sich vorenthält ist das andere. Ich habe mich am Schluss genervt, dass ich jedes mal für einen Wochenendeinkauf über 100,- Franken gezahlt habe. Bis ich meine Frust bemerkt habe und angefangen habe, das Budget zu erhöhen und zu erkennen, dass ich mit Lebensmittel nicht sparen möchte. Ich habe Avocados gern und sie sind zwar teuer, aber gesund. Ich habe angefangen das Ganze so zu sehen, dass ich mich eher glücklich schätze, dass ich in einer Situation bin, mir Avocados leisten kann und trotzdem bleibt noch Ende des Monats was Geld übrig. Ich redete mir ein, dass ich spare ohne dabei zu verzichten. Ich habe aber erkennt, dass ich mich eigentlich doch die ganze Zeit eingeschränkt habe und dass der Preis “Avocados und Spinat einzuschränken” mit dem Ertrag “2% mehr Sparquote” für mich nicht gestimmt hat.

Das heisst jetzt nicht, dass wir nur noch Biofleisch und teure Beilagen essen. Ich esse auch nicht jeden Tag eine Avocado. Früher habe ich aber halt nur 1 mal am Wochenende gegessen, obwohl ich vielleicht unter der Woche auch gerne gegessen hätte. Wir essen auch mal gerne Nudeln mit Tomatensauce. Aber dann essen wir das, weil wir Bock darauf haben und nicht weil wir noch zusätzlich 10,- Franken sparen wollen.

Ich habe auch erkannt, dass Restaurantbesuche zwar wirklich nicht lebensnotwendig sind. Wir haben auch die Quarantänezeit gut überstanden. Aber jetzt, wenn alles offen ist, merke ich, dass es zwischendurch der Seele sehr gut tut, wenn man nicht kochen muss und zusammen etwas feines essen gehen kann.

Wie erwähnt, es geht um Achtsamkeit und Bewusstheit. Man muss wissen wo das Geld fliesst und bei unnötigen Ausgaben soll man optimieren. Bei persönlichen Ausgaben soll man ehrlich und bewusst entscheiden, ob man das Geld für was ausgeben soll, oder nicht.

Eine gesunde Balance zwischen sparen und Konsum zu finden ist nicht einfach, aber es wird sich mit der Zeit einpendeln. Wenn man bewusst ist.

Übrigens, genau diese Balance findet man in meinem KMF Logo. Geld und Lebenszufriedenheit (Glück) sollen in Balance sein.

Mr. Cheese, danke fürs Treffen und wir sehen uns hoffentlich sehr bald wieder 🙂

3 Antworten auf „Frugalismus: Optimum statt Minimum – Treffen mit Mr. Cheese“

  1. Hi KM, auch ich danke fürs treffen du warst wahrscheinlich die erste neue Person die ich persönlich getroffen habe in den letzten 9 Monaten. Wie du schreibst, man darf es sich auch mal gut gehen lassen, neues ausprobieren und auswärts essen gehen und muss nicht immer jeden Franken umdrehen.
    Bis bald mal in Luzern 😉

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