Nebenkostenabrechnung: Schreck und die Lehren daraus

Vor 2 Wochen erhielten wir die jährliche Verrechnung unserer Nebenkosten der Wohnung. Wir werden aufgefordert 1‘980,- Franken nachzuzahlen. WTF????

Was ist passiert?
Einmal im Jahr versenden die Vermieter die Abrechnung zu unseren Nebenkosten. Normalerweise zahlt jeder Mieter neben der Miete für die Wohnung einen Pauschalbetrag für die Nebenkosten wie Strom, Wasser, Heizung usw. Diese Akonto-Zahlungen dienen als Vorschuss und einmal im Jahr werden die Akonto-Zahlungen mit den Kosten für den tatsächlichen Verbrauch verrechnet. Vor 2 Jahren mussten wir nichts nachzahlen. Wir haben sogar 60,- Franken zurückerhalten. Im letzten Jahr mussten wir bereits 600,- Franken nachzahlen (Wir hätten hier bereits die Akonto-Zahlungen erhöhen müssen). Und dieses Jahr müssen wir knapp 2‘000,- Franken nachzahlen. Wenn ich darüber nachdenke, ist es nicht unlogisch, dass wir viel mehr verbraucht haben. Unsere Tochter ist genau nach Beginn der Abrechnungsperiode geboren. Mit ihr ist auch meine Schwiegermutter oft zu besuch, also hatten wir plötzlich 2, na gut, 1.5 Personen mehr im Haushalt.

Eine Rechnung kommt selten allein

Lange passiert nichts und es kommen ausser die Standardrechnungen keine aussergewöhnlichen grössere Rechnungen. Was ich aber bei Verschuldeten schon oft gesehen habe ist, dass Unglück selten allein kommt. Immer dann, wenn jemand seinen Job verliert oder schon sonst knapp bei Kasse ist, muss das Auto repariert werden, geht der Kühlschrank kaputt oder muss sonst was teureres gezahlt werden. Immer alles gleichzeitig. Bei uns war das ähnlich. Der Energieversorger hat uns auch die jährliche Verrechnung geschickt: 400,- Franken müssen wir nachzahlen. Im Juli musste ich zum Zahnarzt: Gesamtkosten ca. 1700,- Franken. Seit 10 Jahren habe ich schon meinen Führerschein und bisher hatte ich nur eine Busse wegen zu schnellem Fahren von 20,- und einmal 40,- Franken zahlen müssen. Ausgerechnet zu dieser Zeit kommt eine Busse von 250,- Franken: Für „Nichtbeachten des Lichtsignals“ (Keine Angst, bin nicht über rot gefahren. Ich bin beim Einspuren zu weit gefahren und habe übersehen, dass die Spur schon 10m gesperrt war. Ist übrigens eine beliebte Stelle für diesen Verkehrsdelikt). Das Fitnessabo von 1500,- musste auch erneuert werden und meine Frau lernt gerade das Autofahren, was in der Schweiz sehr teuer ist. In den letzten 2-3 Monaten musste ich also ca. 6‘000,- Franken extra zahlen. Damit ist die Sache nicht gegessen. Letzte Woche mussten wir unseren Schrank komplett räumen, da unsere Lebensmittel während den Ferien mit Motten befallen waren. Wir mussten alle unsere Vorräte wegwerfen.

Die Lehren daraus

Ein Unglück kommt selten allein. Magischerweise stimmt diese Aussage. Monatelang ging nichts kaputt, keine Busse, keine Nachzahlungen. Dann kommt alles gleichzeitig. Die Rechnungen sind alle zur selben Zeit gekommen, was finanziell eine Belastung darstellen kann. Deshalb ist es wichtig Geld auf die Seite zu haben. Selbstverständlich habe ich den Vermieter kontaktiert und gefragt ob sie versehentlich eine Kommastelle nach Hinten verrutscht sind. Die Abrechnung zu unserem Verbrauch sah aber plausibel und logisch aus. Auch bei der Polizei habe ich nachgefragt und sie haben mir sehr freundlich begründet, warum die Busse berechtigt ist. Bei den Rechnungen inkl. Zahnarzt, Polizeibusse kann man nichts machen, man muss die Tatsache akzeptieren und die Rechnungen zahlen. Es ist also wichtig, dass man mindestens 1-2 Monatsausgaben als Reserve  auf der Seite hat, für genau solche Fälle. Wenn die Reserven angekratzt sind, kann man wieder beginnen ein Polster aufzubauen. Man muss aber immer für solche Härtefälle bereit sein.

Sei nicht verschwenderisch. Die Nebenkostenverrechnung hat mich auch über meinen Verbrauch nachdenken lassen. Mit dem Heizen ist das so eine Sache. Mein Kind will ich nicht frieren lassen und auch ich habe keine Lust im Rollkragenpullover rumzulaufen. Wenn es draussen zu warm ist, kann man die Heizung gar nicht einschalten. Es gibt da eine zentrale Steuerung, also kann man mit der Heizung auch nicht so viel sparen. Die Rechnung hat aber über unseren Wasserverbrauch nachdenken lassen und jetzt sehe ich ein, dass ich mit dem Wasser hätte sparsamer sein können. Sparsam ist vielleicht das falsche Wort. „Nicht verschwenderisch“ ist passender. Beim Kochen, Abwasch, beim Einseifen, Haare Waschen habe ich oft unnötig das Wasser laufen lassen. Wenn ich daran denke, wie schnell eine 1 Liter Flasche vom Hahn gefüllt wird, habe ich da sicher mehrere Liter pro Tag verschwendet. Die Betonung liegt auf verschwenden, denn es geht mir nicht nur um das Geld, sondern das unnötig verschwendete Wasser. Auch beim Wegschmeissen unserer Lebensmittel ist mir bewusst geworden, dass wir vieles gekauft haben, das nach ein Jahr unberührt im Schrank ver“mottet“ ist. – Hahaha. ^^ Ok, der war jetzt schlecht. – Ich habe mir deshalb beim Einkauf vorgenommen, weniger Lebensmittel „auf Vorrat“ und hauptsächlich nur Lebensmittel zu kaufen, was wir zeitnah verbrauchen. Das Gefühl dabei, den Schrank zu leeren war übrigens auch nicht schlecht. Es hatte was „Befreiendes“ und viel mehr Platz haben wir auch.

Viele Wenige geben ein Viel. Die 3. Lehre ist vielleicht aus meiner Sicht für den Blog das Interessanteste. Oft habe ich gehört, dass jemand nicht spart weil er zu wenig verdient. „Es bringt nichts, wenn ich nur 100,- Franken im Monat sparen kann“. – Doch, das bringt es. Das tägliche „wenige“ Liter Wasser zu viel hat für eine böse Überraschung gesorgt. Jeden Tag nur 10 Liter Wasser weniger erscheinen nicht viel. Wenn jeder von uns im Haushalt 10L Wasser weniger pro Tag verbrauchen, macht das pro Woche 10L*4*7=280L und pro Jahr 14‘560Liter. Eine beachtliche Menge. Man muss sich mal diese Menge vorstellen was da in einem Jahr mit den täglichen wenigen Litern zusammenkommt. Es wurde mir wieder einmal bewusst, dass viele kleine ein Vieles ergeben. Genau das gleiche gilt aber für Ersparnisse. Auch die täglich kleinen Ersparnisse können über die Zeit eine grosse Summe ergeben. Die tägliche 10,- Franken Ersparnisse, die man erzielt wenn man Eigenmarkenprodukte statt Markenprodukte kauft, selber kocht, Kaffee von Zuhause mitnimmt oder die Shopping-Ausgaben begrenzt ergeben genauso kleine Ersparnisse, die auf den ersten Blick unbedeutend erscheinen. Über einen längeren Zeitraum hinweg sind aber die Ersparnisse immens. 10,- Franken pro Woche sind 10*4*52= 2‘080,- Franken im Jahr. Auf 10 Jahre gerechnet sind das 20‘800,- Franken. Ohne Zinsen. Davon kann man ein schönes Auto kaufen. Oder unbezahlten Urlaub.  Dabei muss sparen nicht mit verzichten gleichgesetzt werden, es geht dabei nur um „nicht zu verschwenden“.

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