Das Schweizer Rentensystem einfach erklärt

Bevor du dich vor Langweile beim Zuhören von Wörtern wie „Alters- und – Hinterlassenenrente“, „Umwandlungssatz“ oder „Umlageverfahren“ erhängen möchtest, will ich dir dieses Thema möglichst einfach und knapp erklären. Ich möchte niemandem langweilen und von Adam und Eva erzählen, wie das Schweizer Rentensystem aufgebaut ist. Aber ich finde, jeder sollte wissen, wie das System funktioniert und nicht erst mit 65 merken, dass man nach der Rente mit 30-40% weniger Einkommen zurechtkommen muss! Weil dann ist es zu spät. 

Es ist wahrscheinlich, dass wenn du nichts unternimmst, sich deine Einnahmen mit 65 Jahren um -30-40% reduzieren werden. Das heisst, wenn du mit 64 Jahren 7‘040,- pro Monat verdienst, du dich mit ca 5‘123,- Rente begnügen musst.  

Deine Rente wird sich aus 2-3 Komponenten zusammensetzen. 

Das 3-Säulenprinzip

Wenn du das Rentenalter erreichst (Heute 65 bzw. 64 für Frauen) wirst du deine Rente aus 3 Quellen (Säulen) erhalten. Die AHV ist die erste Quelle, die Maximalrente beträgt ca 2‘370,- Franken, wenn man 44 Jahre gearbeitet und Beiträge gezahlt hat. Hast du weniger gearbeitet, bekommst du auch weniger. Für verheiratete liegt die Maximalrente bei 3‘555,-.  

– Waas? Wird man bestraft, nur weil man verheiratet ist? 

– Ja. 

Lass dich mit 64 scheiden und ihr bekommt zusammen 4‘740,- statt 3‘555,-. Die AHV wird direkt vom Bruttolohn abgezogen. Wenn du deine Lohabrechnung anschaust, sind da 5.125% aufgelistet. Dein Arbeitgeber zahlt übrigens auch so viel ein, also 5.125%. Die AHV ist die staatliche Rente und die aktuellen Arbeiter finanzieren die aktuellen Rentner. Wenn du in 30 Jahren AHV kriegst, wird es durch die Arbeitern finanziert, die dann arbeiten werden. Ich erwähne es nur, weil das Problem eigentlich vorprogrammiert ist. Früher haben 5 Arbeiter 1 Rentner finanziert, weil es viele Arbeiter zwischen 20-65 gab und wenig Rentner zwischen 65-80. In 40 Jahren werden 5 Arbeiter 3 Rentner finanzieren müssen, da es viel mehr Rentner geben wird, die viel länger leben werden. 

Den zweiten Teil deiner Rente erhältst du von der 2. Säule oder auch beruflichen Vorsorge, Pensionskasse genannt. Das ist eher wie ein Sparkonto mit Extras. Das was du während den Jahren einzahlst, erhältst auch (nur) du wenn du in Rente gehst (Oder IV wirst). Du finanzierst deine eigene Rente aus deinen eigenen Verdiensten. Im Gegensatz zur AHV gilt hier, wenn du mehr verdienst, wirst du auch mehr Rente haben. Das Gute ist, dass auf dieses gesperrte Konto nicht nur du ca 5% einzahlst, sondern dein Arbeitgeber auch. Die Unternehmen sind auch grosszügiger und zahlen mehr als die 5% ein. So sparst du automatisch ca. 15-20% von deinem Bruttolohn (abzüglich 24.885,- Franken pro Jahr – 7/8 von dem was du du für die AHV bereits zahlst – frag mich nicht warum 7/8- das haben wahrscheinlich Bünzlischweizer mit Quantencomputern ausgerechnet- ist auch nicht so wichtig). 

Mit dem Alter erhöht sich auch der Prozentsatz für die Beiträge, so dass du mit 60 Jahren ca. 20-25% vom Lohn einzahlst. Verdienst du aber weniger als 28‘440,- Franken im Jahr, werden keine Beiträge an die 2. Säule eingezahlt. Das ist besonders für Hausfrauen problematisch, die gar nicht, oder nur Teilzeit arbeiten. Sind sie dann alleinerziehend oder werden geschieden, haben sie eine noch grössere Einkommenslücke. Das Geld aus der Pensionskasse kannst du nicht einfach so verwenden. Du kannst es für die Früh/Pensionierung, für den Kauf eines Eigenheims oder für die Selbständigkeit verwenden.

Die erste und die zweite Säule sind obligatorisch. Die Grafik oben zeigt eine typische Situation eines durchschnittlichen Arbeiters. Man fängt mit 21-22 Jahren an zu arbeiten, verdient am Anfang ca. 4‘545,- Franken brutto. Mit 64 verdient man 7‘041,- und mit 65 gehst du in Rente und bekommst von der AHV 2‘370,- und von der 2. Säule 2‘753,- also insgesamt hast du eine Rente von 5‘123,- Franken. 

Dir fehlen ca. 1‘900,- Franken pro Monat. Was machst du? 

Naja, den ersten Tipp habe ich schon gegeben. Verheiratete sollen sich scheiden lassen und prompt bekommen beide mehr AHV. Ich habe aber auch noch andere Tipps:

3. Säule

Wenn ich von 3. Säule spreche, meine ich immer die Säule 3a. Ich weiss nicht warum der Begriff Säule 3b existiert. Es ist eigentlich nichts anderes, als das gesparte Geld, das nicht aus Säule 1-3a ist. Sparkonto, Bargeld, Geld unter dem Kopfkissen etc. Der Begriff Säule 3b ist also so nützlich wie Blinker an einem BMW.  

Wer keine Lücken nach der Rente haben möchte, kann auch in die 3. Säule einzahlen. Die 3. Säule ist ebenfalls ein gesperrtes Konto, das nur für die Rente oder für die Zahlung des Eigenheims verwendet werden kann. Die 3. Säule ist freiwillig, aber der liebe Schweizer Staat belohnt Sparer und bietet die Möglichkeit 3.-Säule-Beiträge bis zu 6‘800,- Franken pro Person von den Steuern abzuziehen. 

Konkret gesagt, wenn du 6‘800,- pro Jahr pro Person einzahlst, zahlst du (je nach Einkommen) ca. 1‘200,- Franken pro Person!  weniger steuern. Verheiratete können 2* 6‘800,- einzahlen und sparen so 2* 1‘200,- Franken. Es lohnt sich also sehr. 

Wie sieht es aus, wenn du ab deinem ersten Lohn 6‘820,- pro Jahr in die 3. Säule zahlst? 

Du hast dir einen Kuchen verdient (wollte ich schon immer mal schreiben):

Zahlst du jedes Jahr den vollen Betrag ein, hast du mit 65 eine Summe von 372‘120,- Franken zusammengespart. Der Schweizer Staat und der Zinseszinseffekt haben dir einen Rabatt von 42% gegeben, so dass du eigentlich nur 216‘200,- ausgeben musstest. Das entspricht 4‘800,- pro Jahr oder 400,- Franken im Monat.

Für 400- Franken im Monat gibt es also 1‘550,- Franken pro Monat mehr Rente im Alter. Ein guter Deal. Würde Trump sagen. 

Vorausgesetzt du lebst nach der Pensionierung ca 20 Jahre, dann kannst du (372‘120,-/20 =) 18‘600,- pro Jahr oder 1‘550,- pro Monat ausgeben). 

Ich verzichte hier bewusst darauf, wie man aus Steuer-Sicht optimal das Kapital bezieht usw. Wichtig ist, dass du verstehst, dass du mit der 3. Säule Steuervorteile hast und einen grossen Teil der Lücke mit nur 400 Franken schliessen kannst. 

Auch mit der 3. Säule gibt es immer noch eine Lücke von 400,- Franken (Lohn 7‘041,- zu Rente 6‘673). 

Aber… 

Bei der Verzinsung des 3.Säule-Kontos habe ich eine Verzinsung von 1% angenommen. Sehr lange galt, dass man 1-2% für eine 3.Säule Konto bekommen hat. Leider bekommt man heutzutage nicht einmal 0.5%. 

Es gibt aber Lösungen (dazu folgt ein separater Beitrag in den nächsten Tagen), in dem man das Geld der 3. Säule nicht auf ein Sparkonto lässt, sondern (ein Teil) in Aktien investiert. Das ist zwar riskant, aber für alle Anlagen, länger als 10 Jahre sind Aktien alternativlos. Wir sparen hier für die Rente, oder für ein Eigenheim, also haben wir mehr als genug Zeit (40 Jahre).

Normalerweise rechnen Banken mit 6-7% Aktienrendite pro Jahr. Ich rechne mal mit 4%. 

Was kommt dabei raus? -Wow, sorry, ich muss nur kurz die Achse erhöhen… 

Wow, das Ergebnis ist beeindruckend. Mit 400,- Franken pro Monat 45 Jahre lang, investiert in Aktien durch die 3. Säule ergibt eine Zusatzrente von 3‘389,- pro Monat. Neu haben wir eine Rente von 8‘512,- Franken. 1‘500,- Franken mehr, als der letzte Lohn. 

Das Ziel wurde sogar übertroffen und ich habe nur mit 4% gerechnet, statt 7%.

Hm, wenn ich schon dabei bin, interessiert mich was passiert wenn die Aktien nicht 4%, sondern 6% pro Jahr zulegen? 

-Oh, wow. Ich muss die Achse nochmals erweitern: 

-Beitragslücke? – Hahaha. 

Die Rente aus der 3. Säule ist fast so hoch, wie der letzte Lohn. Es wurde immer noch nur 400,- effektiv pro Monat gespart. 400,- pro Monat einzahlen vs. 6‘050,- pro Monat auszahlen. Das ist ein noch besserer Deal. Great Deal.

Mit 6% pro Jahr kommen CHF 1.45 Mio. Franken zusammen… 

Du hast dir noch einen Kuchen verdient: 

Ich habe am Anfang von einer Lücke von 2‘100,- geschrieben. Jetzt hast du einen Überschuss von 4‘100,- Franken. Nur mit 400,- Franken pro Monat/ 4‘800,- Franken im Jahr. Das ist der Zinseszinseffekt. Sieh dir den grünen Teil des Kuchens an. 78% von den 1.4 Mio. kommen von den 6% Zinsen/Erträgen. Je höher der Zins und länger die Laufzeit, desto höher wird das Kapital am Schluss. 

Vielleicht wurde so über dem Ziel hinausgeschossen. Aber denke nach, du könntest auch ein Eigenheim (oder 2) kaufen, oder schon mit 58 in Rente gehen und hättest trotzdem keine Lücke. 

Das wichtigste ist jedes Jahr die maximal mögliche Summe einzuzahlen und in Aktien anzulegen. Am besten gewöhnst du dich von Anfang an daran, die 6820,- Franken mit zu überweisen. Nutze den Steuervorteil und denke ein bisschen an dich und deine Familie. 

Es ist nie zu spät anzufangen. Auch mit 50 hast du noch 15 Jahre und genug Zeit um die Lücke zu schliessen. Mit 50 solltest du erst recht gewarnt sein und an deine Rente denken. 

Wenn ich also nur einen Rat geben könnte, wie man das Geld investieren sollte, dann wäre es, dass man jedes Jahr 6‘820,- in die 3. Säule einzahlen sollte. 

Wie genau das funktioniert und wie ich das mache, zeige ich im nächsten Beitrag.



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