Was würdest du tun? Teil 2:

Teil 2: Was würdest du mit einer Lohnerhöhung von +2‘000,- Franken pro Monat tun?

Das ist der zweite Teil einer Serie, den ich gestartet habe. Den ersten Teil kannst du hier nachlesen In der Serie geht es darum ein bisschen zu träumen und sich vorzustellen, was man in einer bestimmten Situation tun würde. Bei der Träumerei stellt man dann sich Fragen und es wird einem klar, was man will und welche Ziele man eigentlich hat. 

Im ersten Teil ging es darum, was ich mit 1 Mio. Franken machen würde. Ich habe dort gemerkt, dass mir Zeit relativ zum Geld wichtiger ist und würde mein Pensum auf 80% reduzieren, während ich das Geld gut investieren würde.

Jetzt stell dir vor, du wechselst deinen Job und für die gleiche Arbeit bekommst du Netto +2000,- Franken mehr Lohn. Was machst du mit dem Geld? Ich bin mir sicher, dass viele solche Situationen erlebt haben oder noch werden. Es ist sicher nicht von Nachteil, wenn man sich mal überlegt, was man mit dem Geld machen möchte. Oft ergeben sich einfach alles und man denkt nicht darüber nach. Ganz bestimmt würdest du dich am Anfang sehr freuen. Ein bisschen mehr Abends essen gehen, ein teureres Auto, eine teurere Wohnung. Nach 6-12 Monaten würdest du dich daran gewöhnen und die Freude an die Lohnerhöhung wäre verpufft. 

Bei einigen wären diese 2000,- Franken prozentual gesehen 50% von dem was sie aktuell verdienen. Bei nicht wenigen wäre diese aber Lohnerhöhung nicht so bedeutsam, so dass sie danach in Saus und Braus davon leben könnten. 

Wiederum, wenn du 4000,- verdienst, keine Ersparnisse hast und denkst, „Mit 2000,- mehr pro Monat könnte ich endlich einen AMG Mercedes leasen und es würde mir sogar noch etwas übrig bleiben“, dann bist du bzgl. finanzieller Intelligenz noch nicht ganz bereit für mehr Geld. 

Verstehe mich nicht falsch. Ich habe nichts gegen Luxusautos. Wenn du 15‘000,- pro Monat verdienst, 6‘000,- Franken sparst, ein Vermögen von CHF 500‘000,- angespart hast, dann kannst du dir ein solches Luxusauto leisten. Wenn du aber wenig verdienst, wenig sparst und keine Rückstellungen hast, finde ich es verantwortungslos einen überteuerten Luxusauto als erstes zu kaufen/leasen. Klar jeder hat Präferenzen, jeder gibt sein Geld aus für was er liebt, aber das Problem ist, dass man keinen Überblick hat. Man denkt man kommt durch und es bleibt einem etwas übrig und dann kauft man sich halt was. Das Problem ist aber, dass du an vieles noch nicht gedacht hast. 

Mehr Lohn bedeutet mehr Steuern, was du aber erst in gut einem Jahr bemerken wirst. Nach Steuern bleiben dir also nur noch ca. 1700,-. Hast du eine Reserve von 3 Monatsausgaben für schlechte Zeiten? Hast du einen 3a Konto? Planst du irgendwann umzuziehen? Planst du ein Eigenheim? Planst du unbezahlten Urlaub? Sind alles Dinge, die man gerne vergisst und man denkt nur dann daran wenn man das Geld dafür braucht, nicht wenn man es dafür hätte. Du sollst deine Möglichkeiten nur durchdenken und dann überlegen, was wichtiger ist. Ein kleines Vermögen für schlechte Zeiten und für Umzüge und ungeplante grosse Ausgaben solltest du aber auf jeden Fall haben. Dann kannst du überlegen, ob du früher in Rente gehst, eine längere Zeit unbezahlten Urlaub (oder Babypause) nimmst, oder eine Umschulung finanzierst. Oder das zusätzliche Geld für einen AMG ausgibst und danach dein Leben genauso weiterlebst. Du sollst aber die Optionen durchdenken und dann entscheiden.    

Als wir unseren Abschlussfeier an der Universität hatten, hat der Dekan einen Tipp an uns weitergegeben, den ich hier teilen möchte. Er sagte, dass man im Leben immer wieder Lohnerhöhungen haben wird. Eine gute Strategie ist, immer so viel auszugeben wie vor der Lohnerhöhung. Die Lohnerhöhung sollte man dann immer sparen. Man verdient also am Anfang zum Beispiel 5000,- Franken. Man richtet sich ein, hat eine Wohnung, etc. Dann verdient man plötzlich 6500,-. Dann soll man weiterhin nur 5000,- ausgeben und die 1500,- sparen. Verdient man dann zB. 8000,- dann kann man die 6500,- ausgeben. Also es wird immer der alte Lohn ausgegeben und der Rest wird gespart. So erhöht man auch den Lebensstandard weiter, aber man spart automatisch immerhin ein wenig. 

Ich finde das eine sehr einfache und gut umsetzbare Strategie. Man braucht dazu nichts rechnen, keine Excel Sheets oder sonst was. Es ist besser als nichts, aber ich finde man kann es noch besser machen. Wenn ich 12‘000,- verdiene, muss ich nicht 10‘000,- ausgeben. Ich könnte es tun, aber wahrscheinlich würde vieles davon keinen Mehrwert geben. Wenn ich mit 5‘000,- einen guten Lebensstandard habe, warum soll ich dann 10‘000,- ausgeben, nur weil ich es kann. Lieber spare ich dann 7‘000,- und baue schneller ein Vermögen auf. Ein Sofa für 6‘000,- Franken gibt mir nicht mehr Nutzen, als ein Sofa für 1‘000,-. Ein komfortables Vermögen aber schon. Es gibt mir Sicherheit und vor Allem Freiheit, wenn ich früher in Rente gehe, oder einen langen unbezahlten Urlaub nehme. 

Was würde ich mit einer Lohnerhöhung von 2000,- Franken pro Monat tun? 

Im grossen und ganzen bin ich mit unseren aktuellen Lebensstandard zufrieden. Ich bin zurzeit 30 Jahre alt und habe eine Tochter. Da ich noch nicht so lange arbeite, verdiene ich auch nicht so viel, aber die Lebensstandardinflation hat uns schon weit überholt. Wir sind im Juni in eine grössere Wohnung gezogen. Das musste sein und wir fühlen uns sehr wohl. Unsere Tochter haben wir in die Kinderkrippe geschickt und das kostet in der Schweiz unglaublich viel Geld. Wir glauben aber, dass Kinder möglichst früh den Kontakt mit anderen Kindern suchen sollten. Das hilft bei ihrer Entwicklung und sie haben sichtlich Freude an anderen Kindern. Für 2 Tage pro Woche zahlen wir aktuell ca. 1040,- Franken. Wir haben also aktuell höhere Ausgaben und unsere Sparquote ist gesunken. Wir planen aber keine weitere Erhöhung unserer Ausgaben in den nächsten Jahren. Da würden 2000,- Franken unseren Ersparnissen gut tun. Anderseits sind wir dann wieder beim Problem, dass mit mehr Lohn auch mehr Steuern bezahlt werden müssen. Das würde ich in Kauf nehmen, weil mich momentan die Erhöhung der Ersparnisse wichtiger wäre. Ich würde also nicht, so wie bei der 1 Million Frage mein Pensum reduzieren, da die 2000,- Extra nicht so grosse Auswirkungen hätten wie die 1 Million. 

Um also auf die Frage einfach zu antworten: Ich würde nichts ändern und die 2000,- extra, (1700,- nach Steuern) sparen und investieren. 

Was würdest du tun? 

2 Antworten auf „Was würdest du tun? Teil 2:“

  1. Sehr interessanten Beitrag, möchte Ich nur zwei Gedanken zu diesem Themenfeld ergänzen.

    Wie das Erklimmen eines Berges nicht gut möglich ist, wenn man mit Dingen belastet ist, so muss man auch im Leben ablegen, was nicht gebraucht wird.

    Wir können uns fragen: was zählt für uns im Leben? Vielen materiellen Dingen die vergehen? Zu welchen Gipfeln bin ich unterwegs?

    1. Hallo Massimo.

      Bin ganz deiner Meinung. Um was Neues anzufangen, müssen wir mit einer Sache abschliessen. Das ist aber nicht immer einfach.
      Es ist zuerst wichtig herauszufinden, was man überhaupt will. Viele Leute fragen sich erst gar nicht, was sie wollen und ob sie auf den richtigen Weg sind. Wie ein Schiff, das hin und her getrieben wird, ohne zu wissen, wo es überhaupt hinmöchte.
      Darum ist es wichtig sich fragen zu stellen und herauszufinden was man möchte und wohin man will. Danach, ob man auf den richtigen Kurs ist.
      Danke für dein Kommentar

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