Kreditkarten und Konsumkredite

Beim Schreiben des letzten Beitrages zu den Finanzierungsmöglichkeiten eines Autos ist mir der Mentalitätswandel bzw. die Einstellung zum Thema Kredite in den Sinn gekommen. Diesen Wandel wollte ich in einem separaten Beitrag thematisieren.

Früher galt die Einstellung, “Wenn du etwas haben willst, sollst du dafür sparen.” – Willst du einen neuen Fernseher? Spare dafür. Willst du in die Ferien? Spare dafür. Das war die Normalität. Man hat zuerst gespart, dann das Geld ausgegeben.

Heute ist es üblich, dass man alles mit der Kreditkarte zahlt oder Kredite aufnimmt. Das schlimme daran ist, es trifft diejenige am härtesten, die sich die Waren eigentlich gar nicht leisten können. Denen wird ermöglicht, Waren zu kaufen, die sie sich nicht leisten können. Der Preis dafür ist aber umso höher. So geraten diese Leute schnell in eine Schuldenspirale.

Mit den Krediten und Kreditkarten verdienen die Institute viel Geld und für sie ist es attraktiv, wenn Leute sich in gesundem Mass verschulden und die hohen Zinsen zahlen. Das hat die Werbung und Medien beeinflusst. Mit dem Internet sind die Leute noch leichter zu erreichen. Das hat den Einstellungswandel vorangetrieben und heute ist die Hemmschwelle sich zu verschulden deutlich geringer. Früher hat man sich geschämt, wenn man Schulden gehabt hat. Heute gehört es zum Alltag. Jeder mag da seine eigene Meinung dazu haben, ich finde aber diese Entwicklung gefährlich und schlecht.

In der Schweiz ist zum Glück diesbezüglich die Regulierung streng. Es ist vorgeschrieben, dass die Vergabe der Kredite verboten ist, falls dies zu Überschuldung führt und die Institute sind deshalb streng bei der Vergabe. Die Überzugslimiten/Dispositionslimiten sind auch viel strenger geregelt, als in anderen Ländern. In der Schweiz sind Überzüge von 3‘000,- Franken die Regel. Auch die Zinsen sind mit 10% bei sämtlichen Kreditinstituten (Auch Kreditkarten) per Gesetz vorgeschrieben. Ich weiss, dass in anderen europäischen Ländern die Zinsen locker 30% betragen können. Die Dispositionslimiten europäischer Banken sind auch mit 2-3 Monatslöhnen sehr „grosszügig“. Die publizierten Zinsen sind meistens in den Ländern tiefer als die 30%, hier und da kommen aber noch zusätzliche Kosten und Bearbeitungsgebühren dazu. Auch hier ist die Schweiz vorbildlich, da in der Werbung keine irreführenden Angaben gemacht werden dürfen.

Ob das ganze moralisch vertretbar ist, soll jeder für sich entscheiden. Fakt ist, dass Kreditinstitute von den Zinsen leben. Je mehr Kunden sich verschulden und ihre Limiten überziehen, desto mehr verdienen sie. Natürlich vorausgesetzt, dass der Kunde irgendwann seine Schulden inkl. Zinsen zurückzahlt. Für die ist das ein sehr gutes Geschäft. Sie verdienen dabei deine 10-30%. Sie leben davon, dass du Dinge kaufst, das du dir nicht leisten kannst.

Solltest du sparen wollen, kann ich nur dazu raten, dass wenn du Dir etwas zur Zeit nicht leisten kannst, die Ware nicht kaufst und abwartest. Spare dafür X-Monate und kaufe erst danach was du möchtest. Du wirst ein Sparziel haben und für dieses Ziel etwas leisten. Wenn du dein Sparziel gekauft hast, wirst du es auch besser schätzen.

Der sinnvolle Einsatz von Kreditkarten ist der Online-Kauf. Diese sollten aber per Lastschriftverfahren immer automatisch Ende Monat vom Konto abgezogen werden. So sparst du dir die hohen Zinsen und kannst die Vorteile der Kreditkarte geniessen. Kontoüberzüge sollte man bei der Bank aufs Minimum senken und man sollte sie vergessen.

Wenn du Kreditschulden, Kontoüberzüge oder Kreditkartenschulden hast, solltest du diese schnellstmöglich zurückzahlen. Es lohnt sich nicht sein gespartes Geld aufs Konto zu lassen oder zu investieren. Heutzutage bekommt man aufs Sparkonto 0-0.5% Zins. Bei 1‘000,- Franken sind das 5,- Franken pro Jahr. Du zahlst aber ca. 7-30% Zinsen auf deine Schulden. 70-300,- Franken bei 1‘000,- Franken. Durch die Zinseszinsen kommen dann bei unbezahlter Schulden nochmals 7-30% auf den ausstehenden Betrag inkl. Zinsen. Im Beispiel also nicht nochmal 70-300,- Franken auf 1‘000,- Franken, sondern 74.90 und 390,- auf 1070,- resp. 1300,- Franken. Nach 2 Jahren unbezahlten Schulden von 1‘000,- hast du bei 30% Zinsen nicht 1600,- Franken sondern 1690,- Franken Schulden.

Die beste Anlage ist Schulden zurückzuzahlen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.