Corona-Virus – Soll ich meine Aktien verkaufen?

Corona Virus – soll ich meine Aktien verkaufen?

Das Corona Virus versetzt die ganze Welt in Panik. Ob das Virus tödlich ist oder nicht, oder ob es richtig ist oder nicht eine Stadt abzuriegeln, das möchte ich nicht thematisieren. Dafür kenne ich mich zu wenig aus. Ich möchte aber diejenigen helfen, die regelmässig investieren und sich fragen, wie sie auf die Verbreitung des Virus reagieren sollen. Selbstverständlich gebe ich keine Handlungsempfehlungen. Ich möchte nur bei der Entscheidungsfindung helfen. Ich habe meine Strategie auch kurzfristig angepasst. Nicht nur aber wegen des Virus.

Die Situation an den Märkten vor dem Ausbruch des Virus
Wir hatten 2019 ein sehr freundliches Aktienjahr. Nachdem 2018 die Renditen Ende Jahr zur Nichte gemacht wurden, haben die Aktienmärkte in 2019 20-30% an Wert gewonnen. Bis Ende Januar 2020 ging das so weiter und die Märkte gewannen weitere 5-6%. Wieso? Brexit war geregelt, die FED hat die Zinsen im Dezember gesenkt und es schien als würde die Wirtschaft wieder ganz leicht anziehen. Die Unternehmen berichteten über gute Geschäftsentwicklungen und über rosige Aussichten (warum die Prognose so wichtig ist, erkläre ich weiter unten). Darüber hinaus ist 2020 Wahljahr in den USA und Trump würde alles dafür tun gute Wirtschaftsdaten und Aktienmärkte zu haben um wiedergewählt zu werden. Waren aber die Bewertungen Ende Januar gerechtfertigt? Waren sie fair? Die Mehrheit hätte gemeint, “eher nein”. Die Aktienkurse sind stärker gestiegen, als die Gewinne der Unternehmen gewachsen sind. Aber warum? Da kommt die Prognose ins Spiel: Die Teilnehmer erwarteten weiterhin steigende Gewinne und gute Konjunkturentwicklung. Das beste Beispiel war Tesla. War es gerechtfertigt, dass sich der Kurs innerhalb von 2-3 Monaten sich fast vervierfacht? Eher nein. Aber die Anleger denken, dass in Zukunft Tesla noch mehr Gewinne und noch mehr Autos verkaufen wird. Bereits Ende Januar waren die Bewertungen der Börsen gegenüber den tatsächlichen Gewinnen, die zwar gut, aber nicht extrem gut waren, eher hoch. Mein Bloggerkollege MR RIP hat schon Ende November einen grossen Teil seiner Aktien verkauft. Ich denke heute, Ende Februar, hat er es nicht bereut. – Weil aber die Prognosen der Wirtschaft nicht schlecht und die Zinsen tief waren, war es vertretbar bei Aktien dabei zu bleiben, obwohl rein rational gesehen hätte man wissen können, dass die Aktienmärkte nicht ewig wachsen würden.


Dann kam Corona
Ende Januar kam die Nachricht, dass in China dieses Virus ausgebrochen ist. Auch nach 2-3 Wochen blieben die Märkte ruhig. Die Kurse stiegen weiter. Dann kam das Virus nach Europa und 300 Fälle in Italien wurden gegen Ende Februar gemeldet.


Was hat sich gegenüber Ende Januar geändert
Der Ausblick –
Das meinte ich vorhin. Die Börse ist getrieben von den Erwartungen der Zukunft. Werden steigende Gewinne erwartet, macht es das Unternehmen wertvoller und interessanter für Anleger.
Eigentlich bin ich der Meinung, dass die Börsen immer übertreiben und zu pessimistisch sind. Diesmal waren sie aber zu wenig vorsichtig. Sie unterschätzen die Auswirkungen des Virus auf die Wirtschaft.
Was meine ich konkret? Ein 10-Millionenstadt in China wurde für mehrere Wochen unter Quarantäne gesteckt und Ausgangsverbot erteilt. Das heisst, mehrere Wochen lang können diese Leute weder reisen, arbeiten und nur das nötigste konsumieren. Man denkt, die Chinesen sind weit von uns entfernt und uns betrifft es nicht. Heutzutage ist aber die Wirtschaft so eng verflochten, dass wir es gar nicht überblicken können. Wenn in Wuhan die Produktion und Lieferung still steht, kommen andere Produzenten auch keine Lieferung (z.B. Teile für die Autoindustrie oder Elektronik werden nicht geliefert). Auch die Lieferung selber ist betroffen. Deutlich weniger Lufttransporte, weniger Schifffahrten. Weniger Lastwagenfahrten.
Weiter wurde ein Reiseverbot von anderen Ländern aus China verhängt. Ohne genau ins Detail zu gehen, welche Länder ein Verbot ausgesprochen haben oder die Reisen eingrenzten, ist es deutlich nachzuvollziehen, dass Chinesen seit Ende Januar nicht gern gesehen sind. In Russland wurde glaube ich sogar ein Einreiseverbot für Chinesen verhängt. Wer in Grossstädten wie Barcelona, Zürich, München oder Mailand war, weiss wie viel Touristen die Chinesen ausmachten. Das heisst deutlich weniger Passagiere, deutlich weniger Flüge und vor allem deutlich weniger Einnahmen von Restaurants, Hotels und Shoppinghäusern.


Dann brach das Virus in Italien aus. Nun wurden die Italiener die Buhmänner. Reisen nach Italien aber vor Allem nach Mailand und Venedig werden nun massenweise storniert. Einige Städte sind in Italien auch unter Quarantäne und können nicht zur Arbeit. Wer einmal in Mailand war, weiss wie die vielen Geschäfte vom Tourismus abhängig sind. Wenn die Touristen nicht kommen und viele nicht arbeiten gehen, dann ist es logisch dass die Unternehmen deutlich weniger Gewinne machen. Nicht nur italienische.
Apple und Microsoft haben schon Umsatzwarnung wegen dem Coronavirus herausgegeben. Es werden aber viele weitere Unternehmen kommen. Messen wie die Uhrenmesse in Genf, (wahrscheinlich auch Baselworld in Basel), Veranstaltungen wie der Karneval in Venedig oder Fasnacht in Tessin wurden abgesagt. Das Skimarathon in Graubünden wurde ebenfalls abgesagt. In Italien finden einige Fussballspiele in leeren Stadien statt. Die olympischen Spiele in Tokyo und die Fussball EM sowie die komplette Formel 1 Saison steht auf der Kippe. Bei Nestlé werden alle Geschäftsreisen eingestellt. Es ist zu erwarten, dass viele weitere Unternehmen das Beispiel folgen werden.
Es ist nicht das Virus selber, das die Wirtschaft bremst, sondern die Reaktion darauf. Die Menschen sterben nicht weg. Aber weil sie nicht arbeiten, reisen und shoppen gehen, wird es der Wirtschaft schaden. Extrem schaden. Viel mehr schaden, als die Aktienkurse es heute einpreisen (während ich den Beitrag schreibe sind die Märkte in den letzten Tagen -10% eingebrochen).


Beispiel Swatch
Ich bin in Swatch seit ca 2016 investiert. Im Januar 2020 waren die Titel von knapp 500,- auf ca. 280 gefallen. Ich meinte im Januar, dass die Titel wegen die Ausschreitungen in Hong Kong zu pessimistisch bewertet wurden. Die Titel waren überverkauft. Die goldene Regel bei Investments lautet buy low, sell high. Die Bewertung war mit einem KGV von ca. 18 ok. Dabei lockte noch eine Dividende von 3.2%. Weil ich von Swatch überzeugt war, habe ich nachgekauft.
Jetzt, nachdem das Virus und die Massnahmen konkret wurden, erachte ich die Titel als nicht mehr kaufenswert. Die oben erwähnten Auswirkungen wie weniger Reisen, weniger Tourismus, Ausgangssperren in China haben zur Folge, dass wahrscheinlich deutlich weniger Uhren verkauft werden. Deshalb würde ich die Titel aktuell nicht kaufen.


Wie geht es weiter
Es kommt sehr auf die Verbreitung des Virus drauf an. Ein schlimmes Szenario, das zum Beispiel in den wirtschaftlich starken Städten wie Berlin, Frankfurt, Zürich ein Ausgangsverbot, Produktionsstopp verhängt wird, ist zwar immer noch unwahrscheinlich, aber die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist gestiegen. Dementsprechend preisen die Börsen diese Wahrscheinlichkeit auch ein.
Anleger sind durch Emotionen getrieben. Nicht nur Panikkäufe in den Supermärkten, sondern auch panik-Verkäufe an den Börsen werden folgen. Bisher waren sie zu sorglos und euphorisch nun wechselt die Stimmung in Panik und Depression. Die Märkte werden extrem abgestraft.

Was soll ich mit meinen Aktien tun
Wie man aus Anlegersicht in einer solchen Situation reagieren soll, ist sehr individuell.
Wer zum Beispiel regelmässig investiert, jung ist und einen langen Horizont hat, der soll Ruhe bewahren. Er soll seine Strategie nicht ändern und weiterhin regelmässig investieren. Jede Krise geht vorbei.
Der, der einen Sparplan hat, oder regelmässig einen Betrag X investiert, kann sich freuen, denn er kann für seinen Betrag X mehr Anteile kaufen bei den aktuell niedrigeren Kursen.
Jüngere mit einem langen Horizont und Anleger, die ihr Vermögen aufbauen, sollten von ihrer Strategie nicht abweichen und einfach weiter investieren.
Ältere Leute, die bereits eine gewisse Summe investiert haben und am Ende ihres Anlagehorizonts, oder kurz vor der Pension sind, oder Leute mit einem grossen Portfolio, die ihr Vermögen eher verwalten als aufbauen, denen würde ich raten zu überlegen, ob sie sich gegen fallende Kurse absichern möchten.
Natürlich kann man nie wissen wie sich die Märkte entwickeln. Aber, die Bewertungen waren schon vor dem Ausbruch des Virus auf einem hohen Niveau. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Massnahmen gegen das Virus wurden auch deutlich unterschätzt. Deshalb ist eine grössere Korrektur sehr wahrscheinlich. Jede grosse Pensionskasse, jede Grossbank und alle grosse Anleger reduzieren ihr Aktienanteil aus den oben erwähnten Gründen.
Leute die hohe Cashbestände haben und noch wenig investiert sind, können sich überlegen langsam einzusteigen. Ich würde aber davon abraten das ganze Geld auf einmal zu investieren und würde eher gestaffelt über 6-12 Monate investieren.


Wie ich mich gegen fallende Kurse abgesichert habe, beschreibe ich im nächsten Beitrag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.