Quarantäne – Chance auf einen Neustart?

Nun sind wir seit 6 Woche Zuhause. Einige meiner Bekannten sind auf Kurzarbeit angemeldet und bekommen noch 80% ihres Lohnes. Sie kommen noch mit einem blauen Auge davon. Andere, darunter auch meine Verwandten im Ausland hatten kein Glück und wurden entlassen. Viele kriegen nicht einmal 50% Arbeitslosengeld und haben keine Ersparnisse. Trinkgeld fällt auch weg. Die Situation in den USA ist nicht anders. Mittlerweile sind ca. 20 Millionen arbeitslos geworden. Sie rechnen mit einer Arbetislosenquote von 20%. Noch 4% mehr und das Niveau von 1929 wird erreicht…

Es ist traurig, dass es immer diejenigen am härtesten trifft, die bereits schon nicht so viel hatten. Wer bei einem Multinationalen Unternehmen gearbeitet und gutes Einkommen hat, den trifft es weniger, als den einfachen Coiffeur, Kellner, Koch, Barista, Verkäufer.

Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie gesund ist und dass ich die Möglichkeit habe von Zuhause aus weiter zu arbeiten. Auch meine Frau ist Zuhause. Für uns hat sich während dieser Zeit finanziell nichts geändert.

Ich habe hier und hier darüber geschrieben, dass die neue Generation die Krisenzeit nur noch aus Erzählungen kennt und deshalb Millenials zu ignorant sind. Nun ist eine aussergewöhnliche Zeit früher gekommen als gedacht. Früher, als das man sich darauf vorbereiten konnte. Aber auf welche Krise kann man sich schon vorbereiten? Es ist also ein Sprung ins kalte Wasser.

Arbeitslosigkeit, Wachstum und Aktienkurse kannten seit 12 Jahren nur eine Richtung. Kein 30-Jähriger hat eine grössere Krise als Erwerbstätiger selber erlebt. Nun wissen alle, dass die Sonne nicht immer scheint.

Ich bin aber eigentlich froh, dass diese Krise da ist. Es wurde bestätigt, dass es sich lohnt, nicht über seine Verhältnisse zu leben. Es lohnt sich, nicht den ganzen Lohn zu verbraten und es lohnt sich Rückstellungen aufzubauen. Das wissen die Leute eigentlich und hören es ständig von Langweilern wie mir. Doch es gab seit Jahren keine ernsthafte Krise und Protzern mit Leasingautos und Angeber ging es gut. Aber einen besseren Lehrer als das Leben selbst, gibt es gar nicht. Dass es dafür eine Pandemie kommen und Menschenleben kosten musste, ist hingegen traurig.

Die Krise zwingt die Unternehmen sich anzupassen. Der online Auftritt wird unverzichtbar. Läden müssen sich neu und schnell erfinden, damit sie möglichst wenig Einnahmen verlieren und so möglichst wenig Leute feuern müssen. Restaurants müssen vermehrt Online-Bestellungen und Lieferervice anbieten. Auch Shops wie zB. Ikea haben viel Potenzial, wenn sie die Online-Bestellungen attraktiver gestalten. Mitarbeiter könnten umfunktioniert werden. Statt Verkäufer nach hause zu schicken, könnten einige beim Ausliefern aushelfen.

Einige Schulen sind auf Online-Kurse umgestiegen. Büroangestellte arbeiten fast alle nun von Zuhause aus. Ein Sprung ins kalte Wasser. Ich finde aber, dass die Unternehmen erkennen, dass Home Office und flexible Arbeitsmodelle funktionieren. Das ist eine Produktivitätssteigerung. Das könnte auch unser Alltag komplett umkrempeln. Wenn jeder nur 2.5 von 5 Arbeitstagen Zuhause bleibt, gibt es halb so viel Stau, da weniger Leute zur Arbeit gehen. Das hat wiederum positive Auswirkungen auf die Umwelt. Betriebe müssten weniger für Büroplätze, Reinigungskräfte oder Spesen (Benzinkosten, Mittagessen, Kaffee) zahlen und könnten dadurch massiv sparen. Arbeitnehmer geniessen die flexiblen Arbeitszeit und können die Zeit mit der Familie verbringen. Auch Feministinen sind zufrieden, da die Männer Zuhause aushelfen können.

Die Wahrheit kommt immer ans Licht

Die Leute sind nun gezwungen mit sich ins Reine zu kommen. Diejenigen, die sich schon mal anpassen mussten, weil sie zum Beispiel einmal mit weniger Geld auskommen mussten, kommen jetzt besser klar. Statt immer in Restaurants zu essen, müssen Leute kochen, auch wenn sie noch nie gekocht haben. Sie müssen Wäsche machen, denn Reinigungen sind auch geschlossen. Sie müssen das Einkaufen besser organisieren und am Wochenende Zuhause bleiben. Wenn man den Job verliert, muss man schauen, wo man sparen kann.

Wer also bis jetzt über seine Verhältnisse gelebt hat, hat nun einen Denkzettel bekommen. Dafür sollte er dankbar sein. Er sollte jetzt merken, dass er sich den teueren BMW nicht leisten kann. Dass er mit seinem 13. Monatslohn statt ein Rolex zu kaufen, lieber für schlechte Zeiten hätte sparen sollen.

Finanziell bewusste Leute haben bescheiden gespart, während die protzer ihr letztes Geld ausgegeben haben. Nun haben wir eine Situation, in der wir die Konsequenzen unserer Verhalten tragen müssen. Protzer werden nun daran erinnert, dass die Sonne nicht immer scheint. Ehrlich gesagt, freue ich mich ein wenig, dass die Gerechtigkeit jeden einholt. Protzer bekamen nun die Möglichkeit auf eine schlimme oder weniger schlimme Art und Weise, über ihre Gewohnheiten nachzudenken.

Bin ich mit mir im Reinen?

In der Quarantäne Zuhause haben die Leute nun viel Zeit nachzudenken und Zeit mit der Familie zu verbringen. Blöd ist nur, wenn man einen Liebhaber hat, oder etwas von der Familie verheimlicht. Da sehe ich auch eine Art Tag des jüngsten Gerichts. Die Gerechtigkeit holt einem ein. Die Lügen kommen zum Vorschein. Ich finde das eine gute Sache.

Sportereignisse sind abgesagt, Bars, Fitnesscenter, Casinos geschlossen. Keine Sportwetten, kein Alkohol mit Freunden, keine Prostituierten, keine Drogen. Für Leute, die etwas verheimlichen oder gewohnt sind ihre Probleme mit einer Sucht zu dämpfen, sind nun gezwungen sich mit dem Problem intensiver auseinanderzusetzen. In der Quarantäne werden die Stimmen im Kopf lauter. Die Möglichkeiten sich von den Problemen zu drücken sind aber beschränkt.

Statt von den Problemen wegzulaufen ist nun der ideale Zeitpunkt mit sich ins Reine zu kommen. Wer die Probleme noch nie angepackt hat, findet diese Zeit grauenvoll. Wer mit sich im Reine ist und weiss wie man Probleme bewältigt, haltet besser durch.

Man kann sich diese Zeit schlechtreden und darauf konzentrieren was man alles nicht machen kann. Man kann sich auf dem Sofa langweilen und durchschnittliche Netflix Serien reinziehen, während man eine XXL-Packung Chipstüte leer isst und sich danach darüber ärgert, dass man wegen der Quarantäne Woche für Woche zunimmt. Davon wirst du unzufrieden.

Vor der Quarantäne hat man sich immer beschwert, dass man für dies und jenes keine Zeit hat. Nun hat man diese Zeit, aber man tut trotzdem nur nutzloses Zeug.

Du könntest aber auch die Zeit nutzen und deine Excel-Fähigkeiten verbessern. Du könntest viele Bücher lesen, die dich interessieren und dir helfen deine Probleme zu lösen.

Den Amerikanern geht es wirtschaftlich deutlich schlechter, als dem Rest der westlichen Welt. Viele haben ihre Jobs verloren. Ich denke aber, dass die Kultur zum Thema Schulden der Kernfaktor ist. Dort leben sehr viele auf Pump. Studiengebühren kosten eine Menge Geld und müssen mit Darlehen finanziert werden. Jeder der 18 ist und noch kein Auto hat, wird praktisch ausgelacht. Also Auto auf Kredit. Das Haus ist ja sowieso schon auf Kredit. Der Lohn wird verputzt. Schicke Kleider und die Ferien werden mit der Kreditkarte bezahlt. Dann kommt eine Situation, wie diese und man kriegt im idealfall ein Arbeitslosengeld, das höchstens 80% beträgt. Anstatt auf Reserven zurückzugreifen (man hat ja keine), müssen sie entscheiden welche Kreditraten sie diesen Monat noch zahlen können. Weil diese Leute dann weniger kaufen (früher haben sie sich ja noch Shopping und Ferien auf Kredit gegönnt), fehlen diese Einnahmen in anderen Geschäften. Was wiederum zu weiteren Entlassungen führt. Und so weiter. Wer ist am Schluss Schuld? Klar, die anderen. Die Chinesen, die Regierung, das Virus, etc. Man ist nie selber Schuld.

Oft ist es so, dass Leute shoppen gehen um den Frust zu kompensieren. Vielleicht will man sich auch belohnen für den vielen Stress bei der Arbeit oder Zuhause. Vielleicht will man mit einem Rolex auch etwas kompensieren. Vielleicht fühlt man sich minderwertig und will mit der Uhr zeigen, dass man wichtig ist. Das gleiche bei teuren Handtaschen oder Kleidern. Nun kann man die Zeit nutzen und sich solche Fragen stellen. Brauchst du die Anerkennung von anderen Leuten? Warum?

Wer sein Partner betrügt, der hat einen Grund dafür. Es ist einfacher die Probleme zu ignorieren und den Partner zu betrügen, als die Probleme anzusprechen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Nun bist du aber mit deinem Partner für Wochen eingesperrt und ihr hättet Zeit darüber zu sprechen, was euch passt und was nicht.

Das gleiche ist bei Suchthandlungen. Wer Drogen nimmt, oder Alkoholiker ist, der läuft von seinen Problemen weg. Jetzt ist es schwieriger den Kummer oder Frust wegzutrinken und vielleicht wäre es sogar langfristig besser herauszufinden, wie man sein Problem anpacken könnte.

Überlege dir was deine Ziele sind. Ob du auf den richtigen Weg bist, um deine Ziele zu erreichen. Ob du mit deinem Leben zufrieden bist. Was dir fehlt. Wie könntest du das, was dir fehlt besorgen. Was macht dich glücklich? Welche Personen nerven dich? Ist es möglich diese Personen zu meiden? Warum nervt dich diese Person? Welche Eigenschaften sind das? Ist es vielleicht eine Eigenschaft, die dir ähnelt? Etc.

Nutze also die Zeit, damit du gestärkt aus der Quarantäne kommen kannst.

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