FI/FIRE

FI steht für Financial Independce und FIRE für Financial Independence Retire Early. Auf Deutsch finanzielle Unabhängigkeit/ frühe Pensionierung. Was zuerst wie ein unrealistischer Traum einer 12-jährigen klingt, ist bei genauerer Betrachtung eine Philosophie, ein Lebensstil, der mehr und mehr in Trend kommt.

Für mich ist FI eine sehr sympathische und vernünftige Einstellung so viel Vermögen zu haben, dass man nicht mehr arbeiten MUSS. Man ist auf den Lohn einer Arbeit nicht mehr angewiesen, weil man so viel Vermögen hat, dass allein die Zinsen alle Kosten decken. 

Das klingt zuerst mal sehr träumerisch und fern. Klar, jeder möchte Millionär sein und nicht mehr arbeiten müssen. Realistischerweise wird dies nicht mit der Hoffnung eines Lottogewinns verwirklicht. Der Schlüssel ist seine Ausgaben zu senken und das gesparte zu investieren um damit eines Tages davon leben zu können. FI ist das Königsdisziplin des Geldmanagements. Man löst sich vom Hamsterrad des Gedankens “wenn ich mir das kaufe, werde ich glücklicher.”

Was viele nicht verstehen ist, dass diese Leute, die ein solches Ziel haben oder die, die generell sparsam leben, sich nicht schlecht fühlen, wenn sie auf Luxus verzichten. Sie verzichten nicht auf Business Class Flüge, obwohl sie soo liebend gerne Business fliegen würden. Sie wissen, dass dieser Flug doppelt so teuer ist und sagen sich, dass es ihnen nicht Wert ist. Sie sind sogar manchmal minimalistisch eingestellt. Sie haben kein Boxspringbett für 4000,- Franken und kein Schreibtisch aus Holz für 3‘000,- Franken, weil ihnen der Aufpreis gegenüber eines günstigen Möbels nicht Wert ist. Sie denken „was kann dieser Holztisch mehr, als dieser einfacher, gebrauchter Tisch für 20,-?“ Die zusätzliche Schönheit ist es Ihnen nicht Wert. Sie fokussieren sich generell nicht auf materielle Dinge und komischerweise auch nicht aufs Geld. Sie geben wenig bis gar nichts für materielle Dinge aus. Sie haben eine andere Einstellung.

Nicht Geld ist das wichtigste, sondern Zeit

Das Sprichwort „Zeit ist Geld“ kommt nicht von Irgendwo. Ein normaler Mensch arbeitet 40 Jahre lang jeden Tag ca 8 Stunden. Hat zwischendurch Ferien und Feiertage. Wenn das Pensionsalter erreicht ist, ist man aber alt und vielleicht gesundheitlich nicht mehr so fit, so leben zu können, wie man es sich wünschen würde. Man ist nicht mehr fit genug für eine Weltreise, oder um Wandern zu gehen. Für den Lohn, den wir für die Arbeit bekommen geben wir unser Wissen und unsere Zeit. Wir können all das Geld der Welt besitzen, aber eines können wir nicht: verlorene Zeit zurückholen. Wir sollten also mit der Zeit sorgfältig umgehen und das Leben geniessen, so lange wir es können. Finanzielle Unabhängigkeit ist vielleicht ein Traum, aber es heisst auch nicht, dass du ab Morgen finanziell unabhängig sein und dafür wie ein Hippie leben musst. Du könntest Dir auch zum Ziel setzen mit 50 in Rente zu gehen bzw. 15 Jahre weniger zu arbeiten. Du könntest auch eine Pause von 1-2 Jahren einlegen und auf Weltreise gehen. Vielleicht in Form von unbezahlten Ferien. Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit und 4-5 Woche Ferien pro Jahr.

Geld/Luxus vs Zeit/Freizeit 

Diese Leute, die FI als Ziel haben, entscheiden sich also eher für Freiheit und Freizeit als für Luxus. Sie fahren lieber Fahrrad statt Auto und sparen sich 400,- pro Monat, damit sie früher in Rente gehen können. Anfangs sehnen sie sich vielleicht nach einem Auto, mit der Zeit fehlt es ihnen aber nicht mehr. Mit der Zeit ändern sich die Präferenzen dieser Leute. Sie fangen an die Natur zu erkunden, gehen wandern, verbringen Zeit mit Freunden oder Familie. Sie machen Sport und das Wichtigste: sie fühlen sich glücklicher. Ich kenne keinen, der FI als Ziel verfolgt und dabei unglücklich ist. Sie haben erkannt, dass langfristiges Glück nicht vom teuren Holztisch und die Markenklamotten kommen, sondern von der Freiheit und Unabhängigkeit, das zu tun was man möchte und nicht das, was man muss. 

Der Idealfall ist, dass du bei deiner Arbeit so glücklich und zufrieden bist, dass du auch ohne Lohn arbeiten würdest. Ich denke diejenigen, die auf irgend eine Art helfen, sind solche Leute. Ärzte, Pfleger, Tierpfleger, Sozialarbeiter, Arbeiter bei Hilfsorganisationen und Nonprofit Organisationen. Sie arbeiten im Beruf, weil sie Spass daran haben, oder weil sie wissen, dass sie sich für einen guten Zweck einsetzen und nicht um mehr Geld zu verdienen. Wenn sie dabei noch Geld für ihre Leidenschaft bekommen, ist die Welt rund.

Die Schattenseite von FI

Viele stellen sich vor, wie schön es wäre wenn man reich wäre und nicht arbeiten müsste. Ich behaupte, die Mehrheit der Leute wäre aber nicht glücklich. Weil sie nicht wissen, was sie glücklich macht. Die ersten Wochen wären schön entspannt. Statt zu arbeiten würden sie jeden Tag vor dem Fernsehen Chips essen und nichts machen. Mit der Zeit wäre es aber einem langweilig. Man würde sich nutzlos fühlen. Keine Herausforderungen, keine Aufgaben. Die Freunde würden arbeiten und man wäre allein. Das ist nicht die Idee von FI. 

Es ist auch nicht so, dass wenn man finanziell unabhängig ist, sich alles leisten kann. Es ist kein Lottogewinn. Im Gegenteil, man lebt einfach und hat nur kleine Ausgaben. Dafür muss man nicht arbeiten. Bevor du also dich entscheidest finanziell unabhängig zu werden, solltest du einen konkreten Plan haben, was du machen würdest. Viele Rentner kämpfen auch mit dem Problem, dass sie auf einmal pensioniert sind und nicht wissen was sie machen sollen. FI ist ein sehr starkes Werkzeug. Wie eine Waffe. Es kann dich in den Himmel oder in die Hölle bringen. Bevor du also FI werden möchtest, musst du zuerst wissen, was dich glücklich macht. Was ist dein Hobby? Was machst du gerne in deiner Freizeit? Spielst du gerne Handball? Werde Handball Trainer. Malst du gerne? Besuche Kurse. Lerne neue Maltechniken kennen. Gehe auf Reisen. Lerne neue Kulturen kennen. Lerne neue Leute kennen. Mache einen Computerkurs und lerne wie man programmiert. Lerne eine neue Sprache. Lerne ein Instrument spielen. Probiere neue Sportarten aus. Gehe an einen Kochkurs. Besuche Seminare, Webinare. Lies Bücher. Schreibe Bücher. Du musst viele neue Sachen ausprobieren um herauszufinden was dich glücklich macht. Sei mutig, probiere Sachen aus, die du sonst nicht machen würdest. Nur wenn du was ausprobierst, kannst du mit Gewissheit sagen, dass du es nicht magst. Erst wenn du deine Leidenschaft gefunden hast, kannst du FI als Ziel vornehmen.

FIRE   

Financial Independent Retirement Early bedeutet so viel, dass man sich früher pensioniert. Wobei Pension nicht ganz korrekt ist, da das Wort ein „nichtstun“ oder „zur Ruhe setzen“ suggeriert. Es soll aber eher als Freiheit verstanden werden, das tun zu können, was einem glücklich macht. 

So erreichst du FI 

Die grösste Stellschraube sind deine Ausgaben. Wenn du sie nicht runterschraubst, wirst du sehr spät oder nie FI erreichen. Es ist nicht entscheidend wie viel du verdienst, sondern wie viel du ausgibst. Du kannst 8‘000,- verdienen, wenn du 7900,- ausgibst, wirst du recht spät oder nie FI erreichen. Du kannst auch 4‘000,- verdienen und 2‘500,- ausgeben, dann wirst du sehr bald FI erreichen. Du denkst, das ist unmöglich? Oli von Frugalisten ist der Experte für ein bescheidenes Leben. Er lebt in Deutschland von 700 Euro pro Monat.  https://frugalisten.de/sommerbericht-2017-70-prozent-sparen-ist-eigentlich-ganz-leicht/ Es ist nicht die Frage ob es möglich ist, sondern ob du es willst. Du könntest ja in eine WG oder in eine 1-Zimmer Wohnung ziehen. Du könntest Kleider aus dem Second-Hand Shop kaufen etc. Möglich ist vieles, die Frage ist nur, ob du bereit dazu bist.

Es gibt eine 25-er Regel. Du musst deine jährlichen Ausgaben mit 25 multiplizieren, um die Summe zu bekommen, die du brauchst um finanziell unabhängig zu sein. Wenn du also 3‘000,- pM. Ausgibst brauchst du 900‘000,- um von deinem Vermögen leben zu können. Wenn du dir ganz sicher sein willst, multipliziere diese Zahl mit 30 oder 35. Dann brauchst du 1.08 bzw. 1.26 Mio. Vermögen. Die 25-er Regel kommt von der Annahme, dass dein Vermögen jährlich eine Nettorendite von 4% erzielt. Bei 30 resp 35 nimmt man eine Rendite von 3.3% resp. 2.8% an. Wenn du also ein Vermögen von 900‘000,- hast, kannst du es in Immobilien, Aktien usw. anlegen, wovon jährlich 4% Einnahmen von 36‘000,- entstehen. Das ist eine Annahme und die Realität kann natürlich anders kommen. Psychologisch muss man auch einen Einbruch von -30%, -50% aushalten können, aber man nimmt an, dass die Wahrscheinlichkeit bei ca 90-99% ist, mit der 25-er Regel nie mehr arbeiten zu müssen. Das Beste ist, dass du dieses Vermögen nicht aufzehren musst. Du kannst es deinen Kindern weitergeben. Oder du kannst das Vermögen verzehren, dann brauchst du sogar noch weniger als das 25-fache deiner Ausgaben.

FI Community 

Mittlerweile gibt es viele Blogger, die ihren Weg zur FI dokumentieren. https://firehub.eu/ ist eine Sammelstelle solcher Seiten. Wenn dich das Thema interessiert, kannst du dich auf dieser Seite umschauen.

Ich wollte Dir nur zeigen, dass es auch anders gehen kann, als die „Normalität“ es verlangt. Du musst nicht jeden Tag deine Zeit von 8-17 Uhr hergeben bis du 65 bist. Du musst nicht dein Geld für Objekte ausgeben, die einen kleinen Mehrwert für den X-fachen Preis bieten. Du sollst für dich entscheiden, was für dich wichtig ist und was dich glücklich macht. Du musst die richtigen Fragen stellen und wissen was du möchtest.

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