Was würdest du tun? Teil 1

Teil 1: Was würdest du mit CHF 1 Mio. tun?

Ich möchte eine neue Beitragsserie starten. Es wird für dich ein wenig seltsam sein, doch du wirst merken, dass solche Fragen sehr viel über dich verraten können. Du kannst überprüfen, wie du zum Geld stehst und ob du auf den richtigen Weg bist und ob du deine Prioritäten richtig setzt. Vielleicht merkst du, dass du gar nicht das tust, was du tun möchtest. Oder dass du nicht die richtigen Ziele hast. 

Was würdest du mit CHF 1 Mio. tun?

Vielleicht hast du mitbekommen, dass ich mich mit MR RIP von www.retireinprogress.com getroffen habe. Wir hatten einen super Gespräch und haben über viele Themen gesprochen. MR RIP ist bereits Millionär. Er ist aber nicht vollkommen glücklich. Im Gegenteil, er musste sich wegen Burnout krank schreiben lassen. Er hat mich nachdenklich gemacht, weil man immer denkt, dass wenn man so viel Geld hat, sich um nichts mehr sorgen muss. Aber ist man mit CHF 1 Mio. reich? Ich habe mir dann überlegt, was würde ich tun, wenn ich CHF 1Mio. auf dem Konto hätte. 

Wenn du jetzt denkst du würdest dir einen Lamborghini für CHF 400.000,- kaufen, danach ein überdimensionales Haus auf Hypothek und würdest deinen Job kündigen, dann bist du noch nicht reif für das Geld und solltest alle meine Beiträge lesen. Der Unterhalt des Lamborghinis kostet ca. 2‘000,- Franken im Monat und ca. 20% (CHF 80‘000,-) verpuffen, wenn du aus der Garage fährst. Je teurer ein Haus, desto höher die Nebenkosten (rund jährlich 1% des Wertes). Ein grosser Garten ist schön, doch die Gartenarbeiten müssen auch erledigt werden. Wenn du deinen Job kündigst, musst du wissen woher du Geld haben wirst, weil wenn du den Rest des Geldes „auflebst“, könntest du zwar für 1-2 Jahren eine schöne Zeit haben, doch danach müsstest du auf die Strasse, weil das Geld weg ist. Das Geld solltest du auch nicht alles sofort in hochriskante Anlagen investieren, vor Allem, wenn du keine Ahnung davon hast. Das Geld ist schneller weg, als du denkst. Nur Gauner und unseriöse Leute locken mit übernatürlich hohen Renditen. Alles was über 7-8% im Jahr versprochen wird, ist aktuell unrealistisch oder hochriskant. Es ist also alles nicht so einfach: Wenn du das Glück hast einen grösseren Geldbetrag zu erhalten, solltest du das schätzen und sehr sorgfältig damit umgehen. Überlege gut, was du damit anfängst. Du hast genügend Zeit, es drängt dich keiner sofort zu handeln. 

Genau wie MR RIP, habe ich auch Frau und Kind und lebe ebenfalls in der Schweiz. Wer in der Schweiz mit Familie lebt, weiss, dass CHF 1 Mio. Franken nicht reichen, um nie mehr arbeiten zu gehen. Wenn man eine Withdrawal Rate (WDR) von 3% annimmt, hätte man mit CHF 1 Mio. Ca. 2.500,- (CHF 1 Mio.*0.03/12) als Familie im Monat zur Verfügung. Das reicht in der Schweiz vielleicht sehr knapp als Einzelperson, nicht aber als Familie. MR RIP denkt, dass man in der Schweiz CHF 3-4-5 Mio. Bräuchte, um nie mehr arbeiten zu müssen. Ich denke auch, dass mindestens CHF 3 Mio. Nötig wären. MR RIP überlegt nach Italien zurückzugehen, da würden die 2.500,- CHF wahrscheinlich knapp reichen, um als Familie in Rente zu gehen. Er weiss aber die Qualität von der Schweiz zu schätzen und möchte, dass sein Kind in der Schweiz aufwächst. Ausserdem hat er und seine Frau hier viele Freunde und möchte sie nur ungern verlassen. 

Was würde ich mit CHF 1 Mio. Tun ?

Zuerst würde ich nichts tun. Ich würde eine Auszeit nehmen und mir Zeit und Ruhe lassen, wie ich das Geld einsetzen soll. Ich würde vielleicht mit der Familie länger nach Süden fliegen und alles durch den Kopf gehen lassen. Obwohl CHF 1 Mio. Nicht reichen um in der Schweiz in Rente zu gehen, ist es enorm viel Geld. Es sollte aber nie das Ziel sein, so viel Geld zu haben wie möglich. Geld ist ein Instrument, deine Ziele zu verwirklichen. Es bringt dir nichts, CHF 100 Mio. Zu haben, wenn du nichts damit bezweckst. Mein Ziel ist es, ein bestimmtes Lebensstandard (als Familie ca. 7‘500,- Franken im Monat-ohne Steuern) in der Schweiz zu haben, ohne dabei arbeiten zu MÜSSEN. Ich schliesse Arbeit nicht aus, nur will ich nicht finanziell auf einen Job angewiesen sein. Ein 50% Job wäre vielleicht die Alternative, dann hätte ich keinen Stress und hätte noch Zeit für alles was mir wichtig ist. Das Ziel wäre aber nicht arbeiten zu gehen, weil ich auf das Geld angewiesen bin, sondern weil es mir Spass macht und Abwechslung gibt. 

CHF 7‘500,- im Monat sind 90‘000,- im Jahr. Mit einer WDR von 3%, bräuchte ich genau CHF 3 Mio. um ausschliesslich vom Vermögen zu leben. Dieses Ziel würde ich mit einem durchschnittlichen Gehalt und einer niedrigen Sparrate wahrscheinlich nie erreichen. Aber ich wäre auch mit einer 50% Stelle zufrieden. Dann würde ich ca. CHF 3‘000,- Netto verdienen und bräuchte „nur“ CHF 4‘500,- aus Erträgen. Würde ich übrigens weniger arbeiten, müsste ich auch deutlich weniger Steuern zahlen! Das ist ein wichtiger Aspekt, denn wenn ich -50% reduziere, erhalte ich ca. Netto (nach Steuern) nur ca. -40% weniger Gehalt. So lohnt es sich für mich doppelt, die Arbeit zu reduzieren und mehr aus den Kapitalerträgen zu leben. – Würde ich die CHF 1 Mio. In Aktien halten, müsste ich zwar Steuern auf die Dividende zahlen, aber ich müsste die Kursgewinne nicht versteuern. Das heisst, theoretisch könnte ich steuergünstig vom Verkauf der Aktien mit Kursgewinnen leben. Vorausgesetzt man macht Gewinne. Es gibt aber auch andere Alternativen, das Geld anzulegen. Z.B in eine Immobilie.

Ein Teil des Geldes würde ich auf jeden Fall als Eigenmittel für ein Eigenheim einsetzen. Mit ca. 200‘000,- könnte ich eine 4-5 Zi Wohnung für CHF 1 Mio. für meine Familie kaufen. Da die Zinsen aktuell unter 1% sind, wäre die Miete deutlich günstiger (0.9%Hypothek*800‘000+0.8%Nebenkosten*1Mio.=ca. 15’000,-) und wir könnten die fixen Ausgaben senken. Die Amortisation wäre gespartes Geld, das mit den Hypothekarzinsen von den Steuern abgezogen werden könnten. So hätte ich schon mal ca. CHF 1‘000,- mehr pro Monat.  

Zeit vs. Geld

Ich könnte das Geld anlegen, weiter 100% arbeiten und so leben, als hätte ich eine deutliche Lohnerhöhung bekommen. Das Geld würde ich wieder anlegen und dann könnte ich früher das Ziel FIRE (https://kmfinanzen.com/2019/04/05/fi-fire/) erreichen. Ich könnte aber investieren und mein Arbeitspensum jetzt schon reduzieren, um so vom Steuervorteil zu profitieren. Es geht nur um die Frage, ob mir Zeit oder Geld wichtiger ist. Da meine Tochter 2 Jahre alt und oft Zuhause ist, ist mir aktuell die Zeit mehr Wert, als das Geld. Zeit ist nicht käuflich. Ich kann verlorene Zeit nicht wieder zurückholen. Wenn meine Tochter in die Schule geht, kann ich sowieso nicht mehr mit ihr so viel Zeit verbringen. Danach wird sie ihre Zeit lieber mit Freunden verbringen. Dann könnte ich mein Pensum wieder erhöhen, oder eine Nebentätigkeit aufnehmen. 

Ich könnte auch mutig sein und mich selbständig machen. Ein kleines Restaurant oder eine Reinigungsfirma. Oder ein eigenes Fitness studio. Dann würde ich die Arbeitszeit vielleicht viel mehr geniessen. Ich könnte eigene Ideen umsetzen und am Ende des Tages wäre ich stolz auf meine Arbeit. Im Bürojob verliert man schnell den Überblick, weil die Arbeit unsichtbar ist. Der einzelne Mitarbeiter trägt für den Erfolg relativ wenig bei und hat nur wenig Wirkung. Man kann gut oder schlecht arbeiten, man bekommt immer den gleichen Lohn. Als selbständiger muss man aber auch risikofreudig und bereit sein, viel Zeit und Nerven zu investieren.

Fazit

Da CHF 1 Mio. In der Schweiz nicht für die Pensionierung reichen, würde sich nicht viel ändern. Ich würde kein teures Auto und teuren Gegenstände kaufen. Ich würde weiterhin meine Eigenmarken-Getränke (https://kmfinanzen.com/2018/02/28/wo-ist-mein-geld-hin-teil-2-getraenke/) kaufen. Nicht weil ich geizig bin, sondern weil ich zufrieden damit bin. Ich würde nicht jeden Tag teures Steak essen, nur weil ich es mir leisten könnte. Ich würde auch nicht 20 neue Tshirts kaufen, weil ich sie nicht brauche. Es würde sich also nichts ändern. Da mir aktuell Zeit wichtiger ist als Geld, würde ich mein Pensum auf 60% reduzieren und die Zeit mit meiner Tochter verbringen. 3 Jahre lang hätte ich einen Lohnausfall von ca. 100‘000,- ich müsste aber auch weniger Steuern zahlen. Von den verbliebenen 900‘000,- würde ich ca. 700‘000,- gestaffelt auf min.24 Monate (700‘000,-/24= jeden Monat CHF 29‘000,-) investieren. Wenn ich übrigens 2 Jahre lang jeden Monat 29‘000,- einzahle, habe ich nach 2 Jahren mit 5% Rendite ca. 770‘000,- (https://www.moneyland.ch/de/fonds-rechner) und nach 3 Jahren ca. (770‘000,-*1.05=) 808‘500,- Wenn die Aktienmärkte durchschnittlich laufen, habe ich sogar netto 8‘000,- mein Vermögen aufgebaut, obwohl ich 40% weniger arbeite. Mit ca. 200‘000,- würde ich in ein Eigenheim investieren. Würde ich mich umentscheiden und mich selbständig machen wollen, könnte ich die Aktien schnell wieder verkaufen. 

Was würdest du mit CHF 1 Mio. tun? 


Eine Antwort auf „Was würdest du tun? Teil 1“

  1. EINE GLOSSE

    Als erstes würde ich das Pensum meines Bullshit-Jobs reduzieren. So auf 50-60 % etwa. Dem Arbeitgeber sage ich das aber nicht. Er soll mich ja weiterhin zu 100 % bezahlen.

    Dann nehme ich 100 000 und gehe zum ersten Mal in meinem Leben in ein Casino zum Roulette. Im Internet habe ich mir auf einer schmierigen Seite ein windiges Konzept angelacht, wie man garantiert gewinnt. Das ziehe ich durch, bis das Geld entweder weg ist – oder ich es verdoppelt habe. Verblüffend, es funktioniert! Danach habe ich dort Hausverbot, aber Glücksspiel interessiert mich sowieso nicht wirklich.

    Nach eineinhalb Jahren bemerkt mein Arbeitgeber die Reduktion des Pensums meines Bullshit-Jobs und kündigt mir. Gut, drei Monate bleiben mir noch mit der Kündigungsfrist. Bemerkt hat er es übrigens, weil die Kosten und Ausgaben in der Firma unerklärlich sanken, während der Umsatz zunahm. So gahts nüüt!

    Jetzt ALV zu beziehen, wäre zwar möglich aber nicht fair. Ich lebe vom Ersparten und lasse mir laaange Zeit um zu überlegen, was ich in Zukunft mache. Kein Druck vom Jobcenter währenddessen! Ein Job mit Sinn vielleicht? Eine selbständige Beschäftigung? Auf jeden Fall etwas, was mich anspricht. Selbstverständlich verdiene ich dann weniger als im Bullshit-Job, aber das gleiche ich aus mit mehr Lebensqualität und der Million im Hintergrund.

    Immobilieninvestitionen haben es mir schon immer angetan. Die Million kam ja unerwartet, da kann ich auch was riskieren. Wie wäre es mit Grönland? Sogar Trump interessiert sich dafür. Und mit der Klimakatastrophe kann es dort nur besser werden. Die Häuser sind billig und gut isoliert. Da kauf ich gleich eine Strasse wie im Monopoly. Wow, schon nach einem Jahr kommen andere auch auf den Trichter und rennen mir die Bude ein mit Angeboten.

    Man sieht, die Ideen gehen nicht aus. Mit einer Million kann man schon was machen. Die Klagen, dass man in der Schweiz 3-4 Mios bräuchte, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Nie mehr arbeiten ist absoluter Quatsch und völlig dekadent. Das war früher eine Sache des inzestuösen Adels.

    Viel Spass weiterhin beim Bloggen!

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